Gelassenheit lernen

In einer gelassenen Praxis sind wir der unendlichen vergeblichen Anstrengung enthoben, über die unabänderlichen Bedingungen unseres Lebens (Handelns), über die anderen und über uns selbst zu verfügen. – Friedrich Kambartel

Gelassenheit ist in vieler Munde, und wer wünschte sie sich nicht, im beruflichen wie privaten Bereich, bei schwierigen Gesprächen, wenn Unvorhergesehenes passiert und die Erwartungen hoch sind? Unser von Leistung, Geschwindigkeit und Technik bestimmter Alltag nimmt uns schnell in den Griff und es fällt nicht leicht, sich seiner Dynamik zu entziehen. Gelassenheit will also gelernt und geübt werden.

Dabei ist Gelassenheit weit mehr als eine persönliche Befindlichkeit oder ein Mittel gegen Stress. Aus den Lehren der Stoa, der christlichen Mystik oder auch des Buddhismus und Taoismus kennen wir Wege zu einer Gelassenheit, die unser Leben und Selbstverständnis als Ganzes betrifft. Eine solche Gelassenheit erdet und befreit den Menschen in einen größeren Sinnzusammenhang. Wir lassen los von unserer einzelnen, subjektiven Perspektive, lassen uns vom Leben tragen und erfahren so tiefe Ruhe, Vertrauen und Zufriedenheit.

Gelassenheit als Lebenskunst stellt sich nicht von heute auf morgen ein. Aber wir können uns auf einfache Weise darin üben und erleben auch kleine Schritte als großen Gewinn.

Dazu lade ich Sie herzlich zu folgenden Veranstaltungen ein:

  • Philosophischer Salon Stuttgart // Vom ruhigen Zauber der Gelassenheit // 7. Mai 2014 // Stuttgart //  > Details
  • Kompakt-Workshop in 2 Teilen // Gelassenheit im Alltag und als Lebenskunst // 7. + 10. Mai 2014 // Stuttgart // > Details

Herzliche Grüße,

Marga Biebeler

 

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Freigemacht

Ihr habt vielleicht bemerkt, dass es keine „Anders gemachts“ mehr gab. Ich habe es auch bemerkt ;-).

Eine reizvolle Kreativitätstechnik

Das Projekt tut nicht mehr, was es soll. Am Anfang ging es darum, 3o Tage lang jeden Tag etwas anders zu machen, als man es sonst tut – und am 31. Tag zu schweigen. Die Idee kam von Prinzessen Häberle und wir posteten lustig und kreativ unsere „Anders gemachts“ in Facebook. Das hat Unerwartetes mit mir gemacht, es hat mich geradezu berauscht. Ich konnte einfach alles anders machen. Mich reizte der Gedanke, das Projekt weiterzuführen. „Anders machen“ hat etwas mit „anders denken“ und damit mit Philosophie zu tun.

Was heißt, etwas anders zu machen als sonst?

Natürlich stellt man sich diese Frage bald.  Zähne mit der linken Hand putzen anstatt mit rechts. Morgens das Radio auslassen. Oder gilt das nicht mehr? Schalte ich das Radio immer morgens ein? Zur gleichen Uhrzeit? Wenn ich es bisher um 7.30 h einschaltete und es nun um 8.00 h einschalte – mache ich etwas anders als sonst? Wenn ich heute auf dem Sofa frühstücke, morgen im Sessel, übermorgen im Flur, dann auf dem Tisch, oder darunter, usw. – mache ich etwas „anders als sonst“?

Ich stellte jeden Handgriff in Frage, manches „Anders gemacht“ machte ich am nächsten Tag wieder (ich habe nie wieder morgens das Radio eingeschaltet). Es konnte alles ein „Anders als sonst“ sein – es reichte, es zeitlich zu versetzen. Oder doch nicht? Obwohl ich jeden Tag nur „etwas“ anders machen wollte – mein Gehirn lief permanent im Modus „Anders machen“. Ich hatte lustige Ideen, habe laut gelacht, gekichert, über die Vorstellung von all den „Anders gemachts“. Aber irgendwann merkte ich, dass etwas anders zu machen nicht bedeutet, etwas zu tun, das Handlungsspielräume bringt.

Gewohnheiten schaffen erst Platz für „Anderes“

Bestimmte Gewohnheiten in Frage zu stellen und zu verändern scheint sinnvoll. Aber nicht Gewohnheiten an sich. Ich habe erfahren, ich brauche Gewohnheiten, sie erst schaffen Raum für Handeln. Ich beende nun das Projekt „Anders gemacht“. Es macht mich nicht mehr kreativ, es hatte angefangen, mich zu zerstreuen. In die vielen Möglichkeiten, etwas anders zu machen oder zu denken. So lustig das sein kann. Es hört sich simpler an, als es wirkt.

Vielleicht ist das eine der Aufgaben einer Philosophin: Neue Perspektiven aufzutun, das Unerhörte zu behaupten, das Verrückte anzubieten. Dabei aber die Einfachheit nicht zu verlieren, sondern das Stabile zu bewahren, nicht nach dem „Anderen“ zu suchen, sondern es dann zu erkennen, wenn es ansteht.

Durch den Anderen zum Ich, durch mein Ich zum freien Ich. Durch das Andere zum Einfachen, durch das Einfache zum Freien

Gestern Abend sprach ich mit den Gästen der Soirée „Kaffee, Cake & Philosophie“ im Zimt & Zucker zum Thema „Freiheit und Beziehung“ darüber, dass man möglicherweise „den Anderen“ braucht, um sich selbst zu werden. Und erst als ich selbst kann ich als ich selbst freier werden. Das „Anders gemacht“ hilft vielleicht, dahinter eine Art „Einfach gemacht“ zu entdecken, wodurch wir unbrauchbare Gewohnheiten erkennen und ablegen können, und die befreienden hinzunehmen.

Ende des Projekts. Es ist jetzt rund.

Zum Schluss stelle ich Euch noch die Liste der „Anders gemachts“ aus den ersten 31. Tagen zur Verfügung. Das „Anders gemacht“-Projekt ist jetzt für mich vollständig und rund und schön. 🙂

Danke. Eure Marga

 

Anders gemacht Nr. 1 bis 31:

  • Anders gemacht Nr. 1: Heute morgen kein Radio eingeschaltet.
  • Anders gemacht Nr. 2: Mittagessen mit links zubereitet und verspeist.
  • Anders gemacht Nr. 3: Noch vor dem Frühstück Waschmaschine eingeschaltet.
  • Anders gemacht Nr. 4: Nach meiner allsamstäglichen Einkaufstour nicht gleich über Kuchen und Süßkram hergefallen, sondern ein Lachsbrötchen mit Preiselbeermeerettich verputzt. Süßkram dann halt danach gegessen. 🙂
  • Anders gemacht Nr. 5: Beim Tanztee heute einen Herrn geführt.
  • Anders gemacht Nr. 6: Eine Aufgabe heute NICHT zu Ende gemacht, weil jetzt einfach Feierabend ist.
  • Anders gemacht Nr. 7: Ähem. Aus dem 5. Stock bis in den 1. Stock die Treppe rückwärts runtergegangen. Dann kam jemand zur Haustür rein.
  • Anders gemacht Nr. 8: Meine Wärmflasche darf heute den ganzen Tag im Bett liegen bleiben. Hat sie sich verdient.
  • Anders gemacht Nr. 9: Den Computer erstmal ausgelassen und ein paar Stunden lang einfach nur auf Papier gearbeitet. Ehrlich gesagt – es tut mir ungemein gut.
  • Anders gemacht Nr. 10: Heute mit den Händen voran aus dem Bett geklettert. Geht gut 🙂
  • Anders gemacht Nr. 11: Nachtrag: Am Samstag die Zähne mit links geputzt.
  • Anders gemacht Nr. 12: Heute im Bett gefrühstückt. Alles voller Krümel. – Hehe, war ein Scherz. Es gab Müsli, das kann ja gar nicht krümeln 😉
  • Anders gemacht Nr. 13: Erst gefrühstückt, dann geduscht. Wollte heute eigentlich morgens abendessen und abends frühstücken, hatte dann aber doch keine Lust auf Rosenkohleintopf.
  • Anders gemacht Nr. 14: Heute sage ich nicht, was ich anders gemacht habe und habe damit schon zwei Sachen anders gemacht. Also habe ich ja dann doch auch wieder zumindest einen Teil davon gesagt, von dem, was ich anders gemacht habe. 😉 Wie gut, dass ich Philosophin geworden bin.
  • Anders gemacht Nr. 15: Während ich dies schreibe, hänge ich rückwärts mit dem Kopf nach unten vom Sofa herunter. Ist anstrengend.
  • Anders gemacht Nr. 16: Ganz unspektakulär heute ohne Schminkezeugs und Schmuck aus dem Haus. Und es hat niemand dumm geguckt. 🙂
  • Anders gemacht Nr. 17: Bei einer wichtigen Email heute die Angst, es falsch anzugehen, einfach so vom Tisch gefegt. Mach ich jetzt öfter.
  • Anders gemacht Nr. 18: Rechts und links verschiedene Socken an heute. Es lebe die Anarchie der Fußbekleidung!
  • Anders gemacht Nr. 19 (Nachtrag von Sonntag): Trotz Sonntag eine Küchenwohnkulturperformance erfolgreich über die Bühne gebracht. – Küchentisch abgebaut. Auto gemietet. Anderen Küchentisch geholt und in den 5. Stock getragen, den ersten Tisch in den Keller getragen. Neuen Küchentisch aufgebaut. Ganz alleine. Heute Rückenschmerzen.
  • Und anders gemacht Nr. 20: Vor das „anders gemacht“ ein „und“ geschrieben. Und süß zu Mittag gegessen auch.
  • Anders gemacht Nr. 21: Ich habe mich heute erinnert an meinen „inneren Pfeil und Bogen“ und beschlossen, einen Gang zurückzuschalten. Einen langen Moment lang in den blauen Himmel geschaut und mich gefreut.
  • Anders gemacht Nr. 22: Heute morgen keinen Tee sondern heißes Wasser getrunken.
  • Anders gemacht Nr. 23: (Immer noch ohne Spektakel) Vor dem Arbeiten einkaufen gewesen. Sonne genossen 🙂
  • Anders gemacht Nr. 24: Beschlossen, nicht bis in alle Ewigkeit alles zu üben.
  • Anders gemacht Nr. 25: Es ist Samstag und ich bin um 6 Uhr aufgestanden, um zum Frisör zu gehen. Dabei lief ich durch den Regen und habe es unterlassen, den Schirm aufzuspannen. Ich hob das Gesicht gen Himmel und spürte die klitzekleinen Regentropfen. Musik im Ohr dabei. Ich schnappte schier über vor Glück.
  • Anders gemacht Nr. 26: In der Eselsmühle gewesen ohne Kuchen gegessen zu haben. Hoffentlich bereue ich das diese Woche nicht.
  • Anders gemacht Nr. 27: Alle Kissen in eine Ecke des Sofas geräumt. Es ist lateral gemütlich.
  • Anders gemacht Nr. 28: Heute morgen schon so viel – gewollt und ungewollt – anders gemacht, dass ich ganz hibbelig war. Hab mich dann zum Frühstücken auf den Tisch gesetzt.
  • Anders gemacht Nr. 29: Kaffee mit Kardamom aufgegossen. Soll gesund sein.
  • Anders gemacht Nr. 30: Obwohl ich heute später aufgestanden bin, habe ich in aller Ruhe Lu Jong gemacht. Sogar noch ein paar extra Übungen für die innere Gelassenheit. In diesem Sinne: Guten Morgen!
  • Anders gemacht Nr. 31: Für die letzte Lu Jong Übung („Wie der Himalaya wächst“, Öffnung des Wasser-Elements) das Fenster geöffnet obwohl es so saukalt ist. Aber frische Luft ist einfach herrlich. Außerdem: Wie Ihr schon bemerkt habt, ist heute noch ein Anders-gemacht dazu gekommen, obwohl heute eigentlich schon Schweigetag wäre. Der folgt statt dessen morgen, bin morgen dann also mal weg.

Anders gemacht Nr. 44:

Gerade lese ich, dass jemand die großen, die „echten“ Musiker vermisst. Dass es die nicht mehr gebe, so wie sie früher mal waren, und wo sie wirklich noch etwas zu sagen hatten. Ich höre auch oft, dass es heute keine großen, „echten“ Philosophen mehr gebe. Ich selbst denke auch hin und wieder, dass es früher einmal etwas gegeben habe, das wichtig und grundlegend gewesen sei. Und heute sei „alles“ so… bedeutungslos? Klein? Unsicher?

Das Große und das Kleine. Vielleicht ist es ja auch ein bisschen so, dass wir etwas Großes, Echtes in oder für uns selbst vermissen? Es ist zwar irgendwo, aber wir sehen es nicht, nehmen es nicht wahr, nicht an? Haben vielleicht sogar Angst davor, wollen uns nicht in unserer „Freiheit“ beschränkt fühlen? Und vielleicht denken wir auch oft zu wenig musikalisch, zu wenig philosophisch, wenn wir das Große im Kleinen nicht hören? Nicht „vernünftigerweise“ denken wollen. Denken muss logisch, konsequent, widerspruchslos sein, denken wir. Möglicherweise?

Das Große im Kleinen – kennen wir nicht schon ein wenig das Kleine im Großen? Ein Sonnenstrahl, ein Lächeln, ein Keks vielleicht. 😀

Das Große im Kleinen – vielleicht ebenso mitten in und unter uns?

Anders gemacht Nr. 40:

Derzeit denke ich wieder anders, oder ich versuche es zumindest.

Heute las ich einen schönen Post von https://www.facebook.com/happinez.de zu den Lebensregeln des 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso. Besonders die dritte Regel hat es mir heute angetan:

Denke daran, dass etwas, was Du nicht bekommst, manchmal eine wunderbare Fügung des Schicksals sein kann.

Wenn wir etwas nicht bekommen und es als Verlust empfinden, dann messen wir diesem Etwas einen Wert bei, den wir aus der Vergangenheit herleiten oder uns kreativ planend erdacht haben. Unsere Vorstellung von diesem Etwas ist also sehr wahrscheinlich vom Eigenwesen und dessen Entwicklung in der Zukunft verschieden. Auch wenn es sich so anfühlt, wir verlieren nichts. Wir können uns statt dessen dem zuwenden, was die Zukunft bringt. Wenn wir dafür Augen und Ohren habe, kann es ein Wunder sein, oder „eine wunderbare Fügung des Schicksals„.